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Freitag, Dezember 14, 2018

Fighting-System

Kampfverlauf und allgemeine Regelungen

Die Kampfzeit eines Kampfes beträgt 1 x 3 Minuten, in den jüngeren Altersklassen 1 x 2 Minuten. Bis ins Jahr 2000 waren es noch 2 x 2 Minuten mit einer Minute Kampfpause. Es wird gemäß der internationalen Vorgaben mit rotem oder blauem Gürtel gekämpft. Das Tragen einer Schutzausrüstung, bestehend aus Schienbein- und Spannschützer, Handschützer ist Pflicht, bei der Jugend sind ebenfalls der Zahnschutz und bei Jungen ein Tiefschutz Pflicht. Schienbein- und Spannschützer sowie Handschützer müssen in der Gürtelfarbe getragen werden. Erstaufgerufener bei einem Kampf trägt rot, Zweitaufgerufener blau.

Die drei Teile

Der Ju-Jutsu-Fighting-Wettkampf besteht aus drei Teilen.

Im ersten Teil

versuchen die Kämpfer, durch Schläge und Tritte (Atemitechniken) zu punkten. Dabei dürfen nur runde, das heißt seitlich ankommende Tritte und Schläge verwendet werden, welche den Kopf nur leicht berühren dürfen (Leichtkontakt). Bei Atemitechniken zum Kopf wird auf eine kontrollierte Ausführung geachtet. Zum ersten Teil gehören auch Atemitechniken zum Körper, welche ebenfalls kontrolliert ausgeführt werden müssen, jedoch mit etwas stärkerem Kontakt erlaubt sind (Halbkontakt). Hier sind gerade Techniken erlaubt.

In den zweiten Teil

sollten beide Kämpfer nach ca. 20 Sekunden mit dem Griffkontakt übergegangen sein, andernfalls gibt es eine Strafe. In diesem Teil wird versucht, den Gegner ausschließlich durch einen Wurf oder einen Hebel zu Boden zu bringen.

Den dritten Teil

bildet der Bodenkampf. Hier ist das Ziel, seinen Gegner 15 Sekunden mit Hilfe einer Festlegetechnik zu halten oder ihn durch eine Würge- oder Hebeltechnik vorzeitig zur Aufgabe zu bringen. Sollte nach drei Minuten kein Gewinner feststehen (Punktegleichstand Wazaari und Ippon), so wird nach einer Pause von einer Minute eine zweite Kampfzeit von drei Minuten gekämpft. Die minimale Erholungszeit zwischen zwei Kämpfen liegt bei fünf Minuten.

Zwischen den drei Teilen kann beliebig gewechselt werden:

  • Lösen des Griffes im Teil 2 führt zum Übergang in den Teil 1
  • Aufstehen aus Teil 3 führt bei Griff zum Übergang in den Teil 2, ohne Griff in den Teil 1

Kampfrichter

Es gibt drei Mattenkampfrichter (einen Hauptkampfrichter und zwei Seitenkampfrichter) und einen Tischkampfrichter. Der Tischkampfrichter ist für die richtige Zählung der Wertungen, Punkte und Bestrafungen verantwortlich. Ihm zur Seite stehen zwei Kampfrichterassistenten, welche die Zeit nehmen, die Punkte schriftlich festhalten und die nächsten Kämpfer aufrufen. In einigen Bundesländern werden die Kampfrichterassistenten durch einen Lizenz-Lehrgang ausgebildet (zum Beispiel beim Hamburgischen Ju-Jutsu-Verband). Der Hauptkampfrichter vergibt zusammen mit den Seitenkampfrichtern die Wertungen und leitet den Kampf; so signalisiert er beispielsweise den Beginn und das Ende einer Haltezeit.


Wertung im Ju-Jutsu-Fighting-Wettkampf

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Wertungen:

  • Wazaari: kleine Wertung, ein Punkt
  • Ippon: große Wertung, zwei oder drei Punkte

Kleine Wertungen bekommen die Kämpfer für zum teilgeblockte Atemitechniken (Teil 1), für unsaubere Würfe und Übergänge vom Stand zum Boden (Teil 2) sowie für das kontrollierte Halten des Gegners am Boden über zehn bis 14 Sekunden. Große Wertungen erhalten Kämpfer für in Kombination geschlagene und ungeblockte Atemitechniken (Teil 1). In Teil 2 erhält der Kämpfer einen Ippon für Hebel- oder Würgetechnik im Stand, bei denen der Gegner abklopft, oder für perfekte Würfe. In Teil 3 erhält der Kämpfer einen Ippon für das kontrollierte 15 Sekunden lange Halten des Gegners. Für Hebel- und Würgetechniken am Boden, bei denen der Gegner abklopft, erhält der Kämpfer einen Ippon mit drei Punkten.

Punktezählung und Full-Ippon 

Die drei Kampfrichter signalisieren durch farbige Armbinden und das senkrechte (Ippon) oder waagrechte (Wazaari) Heben des entsprechenden Armes ihre Wertung. Diese werden mehrheitlich durch alle drei Kampfrichter getroffen, und die Punkte werden addiert. Erreicht ein Kämpfer in allen drei Teilen einen Ippon (Full Ippon) so gewinnt er unabhängig vom Punktestand den Kampf vorzeitig mit 14:0.

Strafpunkte

Verstößt ein Kämpfer gegen Regeln, wird er wie folgt bestraft:

  • Shido: für leichte Vergehen; Gegner erhält einen Punkt
  • Chui: für schwere Vergehen; Gegner erhält zwei Punkte
  • Hansokumake: für besonders schwere Vergehen; Disqualifikation, der Gegner gewinnt

Shido werden nicht summiert, jedoch ergeben zwei Chui ein Hansokumake und haben somit die Disqualifikation zur Folge. Beispiele für leichte Vergehen ist zu passive oder selbstgefährdende Kampfweise, Tieftritte oder Schlagen des Gegners am Boden oder während des Griffkontaktes. Schwere Vergehen sind beispielsweise eine zu harte Kampfweise oder das Werfen des Gegners aus der Kampffläche heraus. Hebel auf die Wirbelsäule oder das Genick sowie die absichtliche Verletzung des Gegners sind Beispiele für besonders schwere Vergehen und führen zur Disqualifikation.


Ziel des Wettkampfes

Das Ziel des Wettkampfsystems ist es, eine möglichst realistische Verteidigungssituation zu symbolisieren. Ein Wettkämpfer ist im Kampf einer Stresssituation ausgesetzt, in der er sich behaupten muss. In einer Wettkampfsituation werden Reaktionsfähigkeit, Ausdauer, Schnelligkeit, mentale und körperliche Belastbarkeit und eine optimale Technikausführung gefordert. Ebenfalls muss ein Kämpfer taktisch kämpfen können und sekundenschnell seine Techniken umstellen können. Daher müssen genau diese für die Selbstverteidigung notwendigen Eigenschaften speziell trainiert werden. Die Kampfrichter sind angewiesen, darauf zu achten, dass die Techniken von den Kämpfern kontrolliert ausgeführt werden. Natürlich hat das Ju-Jutsu-Wettkampfsystem außer dem nützlichen Selbstverteidigungsaspekt noch mehr zu bieten. Dank der Vielfältigkeit der erlaubten Techniken hat jeder Kämpfer die Möglichkeit seinen individuellen Stil und Taktik zu entwickeln und umzusetzen. Das wichtigste am Sport sollte jedoch immer im Vordergrund stehen, und das ist der Spaß am Sport und damit auch das Fairplay.

In Deutschland gibt es verschiedene Arten von Turnieren, auf denen sich die Kampfsportler messen können.

  • Nachwuchsturniere (Pader Fighting Cup in Paderborn, Geldener Challenge Cup in Geldern)
  • Qualifikationsturniere (Landesmeisterschaften, Gruppenmeisterschaften West, Süd, Nord und Ost sowie Deutsche Einzelmeisterschaften)
  • Internationale Turniere (German Open, Hamburg Open)
  • Die deutschen internationalen Turniere sind ebenfalls Qualifikationsturniere, allerdings für die Weltmeisterschaften. Mitglieder des Landes- und Bundeskader sind auf Nachwuchsturnieren nicht startberechtigt; diese Turniere haben die Funktion, den Nachwuchs zu fördern und nicht durch überlegene Gegner zu verschrecken. Weiter gibt es Turnierformen, die nur innerhalb der Polizei oder nur durch immatrikulierte Studenten ausgetragen werden dürfen (Polizeimeisterschaften, Hochschulmeisterschaften).

Kampfklassen

Die Kampfklassen unterscheiden sich nach Alter, Gewicht und Geschlecht. Bei den Altersklassen wird zwischen Senioren, U 21, U 18, U 15, U 12, U 10 unterschieden. Ausschlaggebend für die Einordnung in die Altersklassen ist das Geburtsjahr des Kämpfers, also der Jahrgang.

Folgende Gewichtsklassen gelten für Frauen (Senioren):

  • bis 55 kg
  • bis 62 kg
  • bis 70 kg
  • über 70 kg

Folgende Gewichtsklassen gelten für Männer (Senioren):

  • bis 62 kg
  • bis 69 kg
  • bis 77 kg
  • bis 85 kg
  • bis 94 kg
  • über 94 kg

In der U12 und jünger gibt es keine festen Gewichtsklassen, sondern es erfolgt eine Aufteilung, bei der die Kämpfer maximal 5 kg Unterschied haben dürfen.

Quelle WIKIPEDIA